Trauerrede und das Leben von Nicole

Geschrieben und vorgetragen von Andreas.

Abschiednehmen in der Kapelle der Kirchwerder Kirche, Fersenweg.

trauerfeier

Es ist Freitag, der 30.12.2021, 12.00 Uhr.

Alle engen Angehörigen von Nicole sind in der Kirche. Wir sind zusammen 11 Personen. Draußen fängt es an zu regnen. Die Leiterin der Trauerfeier, Frau Nicola Eisenschink, begrüßt alle Anwesenden und spielt das Lied "Geboren um zu Leben" von Unheilig ab.

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🖤 Wir folgen dem Lied und sind im Gedanken bei Nicole. 🖤

 

„Und immer sind da Spuren deines Lebens, Gedanken, Bilder und Augenblicke.
Sie werden uns an dich erinnern, uns glücklich und traurig machen und dich nie vergessen lassen.“

 
Am 03.06.1972 passierte etwas Großartiges.

An diesem Tag kam um 02:27 Uhr in Hamburg-Bergedorf ein besonderes, wertvolles, wundervolles Geschenk auf diese Welt.

Ein Mädchen mit dem Namen Nicole, geboren im Tierkreiszeichen Zwilling, wollte die Welt erobern.

Das Wetter war an diesem Tag heiter bis wolkig und es war ca. 20 Grad warm.

In der Woche davor hatte es immer wieder geregnet, aber an jenem Samstag, dem Tag ihrer Geburt, lockerte es auf und die Sonne schien.

Was passiert in einem Erdenmenschen, wenn es als 7-Monatskind auf die Welt kommt?

Was hat es hier vor, was möchte es erleben, welche Aufgaben muss es bewältigen und wann muss es wieder gehen?

Das alles steht in unserem Seelenplan. Wir wissen nicht wann er endet. Und das ist gut so.

Wie mag er bei Nicole ausgesehen haben?

Nicole hatte es bei der Geburt nicht leicht. Ihre Mutter Lisa hatte alles gegeben und war nach der Entbindung erschöpft, wusste aber, dass die kleine Nicole sicher in den Händen der Ärzte im Brutkasten des Bergedorfer Krankenhauses lag.

Auch wenn sie dort viel allein war, erholte sie sich sehr schnell.

Allerdings hat Nicole die Zeit im Brutkasten nie ganz abschütteln können. Bis zum 6. Lebensjahr war sie deswegen oft krank. Doch dann half Ihr immer ihr Vater.

Vater Günther war als Heiler sehr bekannt. Menschen aus ganz Deutschland kamen zu ihm nach Hause, wo er dann seine Hand und seine Aura benutzte um sie wieder gesund zu machen.

Nach Wochen im Krankenhaus war es so weit: Nicole kam nach Hause in die Gärtnerei am Kiebitzdeich in Neuengamme, wo sie endlich von ihrer Mutter Lisa, ihrem Vater und ihrer großen Schwester Maren willkommen geheißen werden konnte.

Ein Paradies lag vor ihren kleinen Füssen. Hier konnte sie nach Herzenslust spielen, toben und tanzen.

Nicole nahm die Herausforderung als zweite Tochter von Papa Günther und Mutter Lisa und als 10 Jahre jüngere Schwester von Maren sehr gerne an.

Ja, ihr Papa. Sie war ein Papakind.

Sie hatte ihren Papa so lieb, er war die Respektsperson in ihrem Leben.

Von ihm hat sie vieles lernen dürfen. Zum Beispiel das Wirtschaftsrechnen, also wie man mit den Pflanzen und Blumen aus der Gärtnerei einen Gewinn erwirtschaftet oder wie das Zusammenleben mit den Tieren sein sollte, ganz besonders mit den Pferden.

Sie liebte die Pferde, ... ihre Pferde.

Nicole und ihr Papa planten sogar einmal den Bau einer Reitanlage. Da saßen sie Stunden und Tage zusammen, um ein Konzept zu erstellen. Aber von den großen Zahlen, die Nicole von ihrem Vater zu hören bekam, war sie dann doch sehr überrascht. Die Reitanlage wurde daraufhin erst einmal auf Eis gelegt.

Ihre Mutter Lisa ist, wie wir wissen, eine patente, mit viel Temperament und Humor beseelte Frau. Mutter Lisa war auch immer die treibende Kraft, wenn es darum ging den Erholungsfaktor und den Spaß in ihrer Familie aufrechtzuerhalten. Sie plante die vielen Tage der Erholung an der Ostsee oder im Harz, damit es ihrer Familie gut ging.

Sie hatte den Verkauf der in der Gärtnerei erzeugten Blumen auf dem Blumengroßmarkt in Hamburg übernommen und war damit sehr erfolgreich. Sie hatte das Business voll im Griff. Wenn sie dann vom Blumengroßmarkt nach Hause in die Gärtnerei kam, wehte gleich ein anderer Wind im Binderaum: Einer stark aus dem Norden.

Wenn der Wind dann mal wieder aus Norden wehte, nahm Nicole schnell Reißaus. Man hat sie dann bei ihrer lieben Oma wiedergefunden. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Es gab keinen Tag, an dem die beiden sich nicht sahen. Von ihrer Oma hat Nicole Handarbeiten gelernt. Bei Oma war sie immer gut aufgehoben, denn Oma war der Ruhepol der Familie Voß.

Mit ihrer Schwester Maren verband Nicole eine große Sicherheit. Sie konnte zu Maren hochsehen und wusste, hier kann ihr nichts passieren.

Maren nahm Nicole überall mit hin. Als Nicole noch klein war, ging es im Kinderwagen bis zum Elbdeich und an die Elbe – was für ein Abenteuer für die kleine Nici!

Man ... ließ dort nicht etwa ... den Kinderwagen allein den Elbdeich herunterfahren? 😉

Schule war für Nicole blöd und so musste auch hier Maren sie unterstützen.

Aber Maren fand das gar nicht lustig, dauernd mit der kleinen Schwester zusammen zu sein, denn Nicole passte nicht immer in den Tagesablauf einer Jugendlichen hinein.

Nicole hingegen genoss die Zeit mit ihrer großen Schwester, denn die Vorteile lagen auf der Hand: So war sie schon als junges Mädchen mindesten einmal pro Jahr mit Maren im Heidepark, mit jungen Jahren in der Clique von Maren bei Capeletti und danach auf jeder Party im Umkreis von 20 Kilometern, wo sie den Jungs reihenweise die Augen verdrehte.

Eine feste Beziehung war dann aber vor allem davon abhängig, welches Auto ihr Verehrer fuhr. War es ein Opel, gab es kein Wiedersehen.

 

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Foto: Greenpeace

Wusstet ihr, dass Nicole mit 16 Jahren fast bei Greenpeace angeheuert hätte? Als Wal-Retterin wollte sie starten. Und diesen Wunsch werde ich ihr noch erfüllen. Alles Geld aus den Trauerkarten werden wir auf das Konto von Greenpeace überwiesen. Dadurch leisten wir alle zusammen mit Nicole einen Beitrag zur Rettung der Wale und der Weltmeere.

Nach der Schule ging es in die Ausbildung zur Gärtnerin nach Helmut Buhk in Curslack. Der Weg war nicht so weit und man blieb in seinem Freundeskreis.

Nicole war immer eine der Besten und wollte es auch sein. Gelernt hatte sie ja schon vieles von ihrem Vater. Doch die Schnelligkeit im Tulpenpflanzen, die hat sie sich selbst beigebracht. Denn je schneller sie pflanzte, desto schneller konnte sie genug Geld verdienen, um sich dann mit 18 Jahren die erste große Liebe zu kaufen: Ein Auto … ein Scirocco musste es sein.

Dieses Auto liebte sie über alles und fuhr damit rauf in den Norden und runter in den Süden von Deutschland.

Das Leben als Zweitgeborene in einer Gärtnerei ist nicht immer einfach, ich durfte diese Erfahrung selber machen. Wir waren daher vom Typ vielleicht auch sehr ähnlich. Wir wurden beide geprägt von unseren älteren Geschwistern.

Es folgte dann noch eine zweite Lehre als Bürokauffrau in einer Immobilienfirma, die sie ebenso souverän gemeistert und bestanden hat. Sie war während der Ausbildung sogar schon die rechte Hand von Ihrer Chefin.

In den 90er-Jahren war Nicole die Partyqueen.

Sie war ein großer Fan der Band Depeche Mode. Ein Song, den sie auch in späteren Jahren noch gerne hörte, war „Just Can`t Get Enough“, auf Deutsch „Ich bekomme einfach nicht genug“ … von dir und vom Leben.

 

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🖤 Wir folgen dem Lied und sind im Gedanken bei Nicole. 🖤

 

Als junges Mädchen war Nicole oft krank. Das änderte sich schlagartig, als ihre Eltern ihr zum sechsten Geburtstag ein Pony schenkten.

Jetzt konnte sie viel Kraft aus ihrem Pferd schöpfen.

Sie wurde wieder gesund und noch mehr: Ihre Leistung beim Reiten waren so gut, dass sie schon bald in den Reit- und Fahrverein von Vierlanden eintrat.

Es bildete sich schnell ein eingeschworenes Team um sie herum, zu dem auch alle Freunde und Familienmitglieder gehörten.

Nicole gewann viele Preise und war jahrelang das Aushängeschild des Vereins.

Es wurden viele rauschende Feste nach Nicoles Siegen gefeiert, bis in die Nacht hinein. Nicole ging dann aber trotzdem lieber früh ins Bett, um morgens ihre Pferde und Ponys zu versorgen und das nächste Reitturnier zu planen.

Sie war der große Star der Reitturniere in und um Hamburg und teilweise sogar noch weiter südlich und nördlich der Elbe.

Sie beherrschte das Reiten wie keine andere ... und auf Turnieren wurden dann auch immer gleich zwei Pferde am Start von ihr geritten. Unterstützung erhielt sie auch hier durch ihren Vater.

Nicole und ihr Vater, der auf den Turnieren immer mit einem kleinen Fahrrad unterwegs war, waren das erfolgreichste Team „ever“. Es gab nur eins: Wo ist ein Turnier? Wo sind die Preise? Dann mal her damit!

Nicoles Tricks beim Reiten der Ponys waren ihre Schnelligkeit und ihre Abkürzungen um die einzelnen Hindernisse herum.

Zack – Zack. Wie beim Tulpenpflanzen.

Fast an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen, mehrmals Hamburger Meisterin. Erfolgreich in Dressur und Springen sowie in ihrer Königsdisziplin, dem Reiten der Vielseitigkeit, wo es viele Kilometer über Baumstämme, Feldwege und durch Wasser geht.

Vor dem Start war sie oft so aufgeregt, dass sie sich mehrmals übergeben musste. Kam dann aber der Startpfiff, war alles vergessen und sie siegte. Ihr damaliger Trainer trainiert heute das Deutsche olympische Reit-Team. Sie hat immer von den Besten gelernt. Pokale und Schärpen haben wir kartonweise auf unserem Dachboden. Für das Reiten und die Pferde hat sie gelebt.

Ihre Pferde hießen unter anderem: Kadett, Diplomat, Vincent und Luntrus.

Natürlich blieben auch schwere Stürze nicht aus. Aber dafür hatte sie ja ihren Papa, der konnte sie wieder heilen.

Mit ihrer Nichte Janina war Nicole eng verbunden. Die beiden haben immer viel gelacht und haben sich sehr gut verstanden. Nicole sah in Janina eine weitere talentierte Reiterin aus der Familie Voß heranwachsen. Sie versuchte, aus Janina eine Pferdekennerin zu machen, aber bei Janina lagen die Stärken woanders.

Und so blieb es dabei, dass beide ihre Leidenschaft, das Backen, auslebten. Man traf sich zu Weihnachten in Nicoles Küche und versuchte gemeinsam ein Knusperhäuschen zu backen. Leider war die Kuchenkleber-Mixtur nicht stark genug.

Also wurde das Häuschen schon vor Weihnachten, sogar noch vor der Montage, mit viel Spaß und reichlich Chaos in der Küche aufgegessen. Halleluja.

Auch zu Halloween war Nicole in ihrem Element. Nicht nur die Türen, Fenster und der Garten wurden gruselig dekoriert. Sie hatte Spaß dran, sich als Hexe zu verkleiden und anderen einen Schrecken einzujagen.

Das hat sie sogar schon in den 90er-Jahren gemacht, zu einer Zeit, in der Halloween in Deutschland kaum bekannt war.

Am meisten Freude bereitete es ihr, den kleinen Patrick (Neffen) zu erschrecken. Patrick gefiel das zuerst gar nicht. Er lief dann weinend zu seiner Mutti und erzählte, was Nicole Unheimliches gemacht hatte. Später haben sich die beiden immer wieder gegenseitig geneckt und hatten ihren Spaß. Und er fand es dann auch sehr cool, was Tante „Niiiiicole“ an Halloween so alles auf die Beine gestellt hatte.

Als Nicole älter wurde und für die Ponys zu groß geworden war, konnte sie eine andere Gabe, das Sehen und Fühlen bei Tier und Mensch nutzen. Sie konnte ihre Pferde und die Menschen in Ihrem Umfeld lesen und fühlen.

Nicole hatte immer ein großes Herz und viel Respekt für Menschen und Tiere.

Ich bin mir sicher, dass sie mit Tieren sprechen konnte, und ja, die Tiere konnten sie auch verstehen.

Ihr letztes Pferd und Seelenfreund war ihr geliebter Hengst Luntrus. Die beiden waren füreinander gemacht. Leider musste sie Luntrus vor 3 Jahren gehen lassen.

Die großen Turniere haben sie zwar nicht gewonnen, aber eine unendliche Tiefe hat sie verbunden. Morgens, gegen 6 Uhr, das war die Zeit für die beiden. Ich konnte noch im Bett bleiben. Wenn dann die Sonne im Dunstnebel aufging und sie den Ammoniakduft in der Stallgasse roch – das war Energie pur für Nicole.

Sie liebte es, ihren Luntrus dann zu behandeln, zu füttern, in die Führanlage zu stellen und dem Pferd beim Laufen zuzusehen.

Wenn die Nüstern und das Fell beim Traben dampften, dann waren ihre Gedanken wieder bei den großen Pferdeturnieren in Deutschland. Einmal den Großen Preis von Aachen gewinnen. Das war ihre Welt, das war ihr großer Traum. Sie war so nahe dran.

Als Luntrus, ihr Seelengefährte, wieder einmal krank war, beschloss Nicole, dass sie diesem Pferd zukünftig selbst helfen müsse. Also begann sie die Ausbildung zur Pferde-Osteopathin.

Viele Lerninhalte mussten gebüffelt werden und das an vielen Wochenenden, an denen ich dann alleine zu Hause war. Aber es hat sich gelohnt. Nach Jahren der Aus- und Weiterbildung stieg sie im Kreis der Pferdehalter zur Koryphäe auf. Sie hatte ja nicht nur Kenntnisse, wie man Pferde heilt, sondern auch, wie die Besitzer behandelt werden müssen.

Nicoles Spruch war „Der Besitzer ist das Spiegelbild des Pferds.“ Ihre Kunden waren renommierte Pferdeställe in Hamburg und Schleswig-Holstein, bis hoch zur Ostsee in Mecklenburg Vorpommern, sowie im nördlichen Teil Niedersachsens. Aber auch viele kleine Ställe mit wenig Geld. Sie war die Pferdeflüsterin für alle.

Nebenbei war es für Nicole kein Problem, auch mal einen Hund osteopathisch und energetisch zu heilen. Und ja, es stimmt wirklich, sogar ein Huhn wurde am Fußgelenk behandelt.

Eine faszinierende, besondere, ehrliche Person, die sich für nichts zu schade war.

Ende der 90er ging es auf den Blumengroßmarkt nach Hamburg, ihre Mutter hatte Ihr eine Arbeitsstelle als Verkäuferin beim Blumengroßhandel Hans-Jürgen Lage vermittelt. Dort blieb sie viele Jahre. Der Vorteil in diesem Job war, dass sie nachts arbeiten und tagsüber bei ihren Pferden sein konnte.

Als ihr Papa und ihre Mama das Mietshaus in Curslack kauften, war es auch für Nicole Zeit, alleine zu wohnen. Da sie sehr heimatverbunden war, zog Nicole in den Anbau zur Mitte des Grundstücks und fühlte sich sehr wohl in ihrer kleinen 2½ Zimmer Wohnung.

Ein Singleleben, wie man es sich schöner nicht vorstellen konnte. Kurze Männerbekanntschaften gab es schon mal, aber sobald die Herren ein Wort über Familie und Haus mit Garten verloren, war es aus. Nicole wurde die Beziehung dann einfach zu eng. Sie wollte ihre Freiheit bei den Pferden genießen und der Job auf dem Großmarkt als Verkäuferin war ihr auf dem Leib geschnitten.

Eine tolle Frau mit viel Talent zum Verkaufen und mit großen Augen. Und ja, die Frau musste ich haben. Ich bin heute noch stolz und demütig, dass ich sie auf meinem Blumengroßmarktstand einstellen durfte. Sie war die beste Verkäuferin meines Teams. Die Frau mit diesen supertollen Augen.

Dann wurden wir ein Paar. Bei einer Geschäftsfahrt nach Holland hat es bei uns Zoom gemacht.

Wir trafen uns heimlich und oft. Eine wunderschöne Zeit mit viel Kribbeln im Bauch kam in unser Leben. Mit der Zusammenarbeit auf dem Großmarkt war es allerdings schnell wieder vorbei, ich sagte ja, wir ähneln uns.

Nicole fing dann als Verkäuferin bei Werner Buhk auf dem Blumengroßmarkt an, wo sie bis 2014 tätig war.

Unsere gemeinsame Zeit konzentrierte sich von jetzt an auf unser Privatleben.

Hier konnten wir uns gegenseitig in unserer weiteren Entwicklung unterstützen. Nicole wurde selbstständige Pferde-Osteopathin mit sehr vielen Aufträgen und Behandlungen in der Woche. Der Arbeitstag begann schon mal morgens um 6 Uhr und endete teilweise spät abends gegen 22 Uhr, nur unterbrochen von einer kurzen Mittagspause, in der sie unseren kleinen Prinzen Buddy Gassi führte.

Für Nicole war es oftmals nicht möglich, mit einer regulären Arbeitswoche auszukommen, denn am Wochenende kamen ja auch noch die Kunden, die bei ihr eine Raindropmassage bestellt hatten. Eine Massage, bei der über einen Zeitraum von 90 Minuten bis zu 7 verschiedene ätherische Öle ihrer Networkfirma „Young Living“ auf den Körper aufgetragen wurden. Alle Kunden waren begeistert und mussten oftmals mehrere Wochen auf den nächsten Termin warten.

Sie liebte die Arbeit. In der Gärtnerei, auf dem Blumengroßmarkt, beim Behandeln von Mensch und Tier sowie beim energetischen Heilen. Sie war feinfühlig und besonders veranlagt und konnte dadurch auch auf weite Entfernung helfen.

Sie war in meinen Augen ... meine Heilerin.

Für ihre „besonderen“ Frauen gab sie „besondere“ Kurse, die Krafttierreisen. Es wurde dabei so stark getrommelt, dass die Gläser unten im Wohnzimmer anfingen zu klirren. Wahnsinn, was für eine Energie Nicole hatte. Ich durfte auch einmal dabei sein. Das Krafttier, das ich bei Ihr bekommen habe, war der Eisbär.

Nicoles Krafttier war das Eichhörnchen. Wahrscheinlich, weil es so genauso schnell im Kopf reagieren konnte wie Nicole und wie sie überall kleine Nüsse für schlechte Zeiten versteckte.

Für Nicole war die Qualität ihrer Arbeit sowie die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wurde, immer besonders wichtig.

Sie konnte ihr Umfeld, ihre Freunde, Kunden und mich sehr inspirieren. Sie hatte für alle stets ein offenes Ohr und wer mit ihr befreundet war, konnte wunderschöne Dinge und Ereignisse auf dieser Welt kennenlernen.

Sie gab uns Kraft und führte uns auf die Richtige Bahnen, sie wollte immer allen Tieren und Menschen helfen.

Und wer mit Nicole ins Gespräch kam und dabei die versunkene Stadt Atlantis erwähnte, war für sie sofort die beste Freundin.

Das Haus im Voßmoor war für sie sehr wichtig, hier konnte sie Kraft tanken. Vor 12 Jahren haben wir das Haus für uns entdeckt. Es war damals auch Winter, als wir es uns erstmals angesehen haben. Für Nicole war es Liebe auf dem ersten Blick. Für mich war es eine Herausforderung, denn als alter Handwerker wusste ich, wie viel Arbeit nötig ist, um so ein Haus zu modernisieren.

Die Fenster, das Dach, die Räume, keine Dämmung und knirschenden Zimmerdecken.

Knirschende Zimmerdecken …

Bei der Besichtigung sagte ich zu Nicole, sie soll unten bleiben und ich gehe nach oben und laufe dort rum, sie wird schon hören, dass das Haus zu hellhörig ist.

Ich ging nach oben und von einer Seite zur anderen ... und wieder zurück ... mit harten Schritten.

Aber nichts, Nicole hörte nichts. Ich fand das schon sehr komisch. 😉

Jedenfalls wurde es danach unser Haus.

Und im Nachhinein betrachtet hatte sie damals auch eine dieser tollen Wahrnehmungen, die das Leben mit ihr so wertvoll machte. Ich bin meiner Nicole unendlich dankbar.

Wir zogen dann direkt von unserem Mietsreihenhaus in Curslack, Eschenhofplatz 7 d, in das noch nicht renovierte Haus am Kiefernweg 7 nach Escheburg in den Ortsteil Voßmoor. Voßmoor – wie ihr Familienname ... Voß.

Sie hasste die Umbauarbeiten. Es war laut, dreckig und die Handwerker waren immer genervt und fluchten herum. Aber waren wieder Teilabschnitte fertiggestellt und das Wohnen ein wenig schöner, war sie jedes Mal sehr, sehr dankbar und stolz auf mich. ... Ich liebte sie ... Sie freute sich dann riesig über ihre neuen Räume, in denen sie ihre Raindropmassagen geben oder ihr 72-köpfiges Team vom YoungLiving Network-Marketing schulen und unterstützen konnte. Der ganze Lärm, Dreck und Staub waren in dem Moment wieder vergessen.

Als die Arbeiten endlich abgeschlossen waren, war Zeit für neue Aufgaben. Nicole bildete sich wieder weiter. Diesmal ging es nicht nur für mehrere Wochenenden nach Lüneburg zur Pferdeosteopathie, nein, es war dann schon Bayern, wo sie viele Kurse zum Thema energetisches Arbeiten besuchte. Und das alles mit ihrem damals so geliebten silberfarbenen Toyota Aygo, den sie schweren Herzen nach über 300.000 selbstgefahrenen Kilometern vor 3 Jahren aufgeben musste.

Vor 7 Jahren kam unser Seelenhund Buddy zu uns in den Kiefernweg. Auch hier war es Nicole, die wieder die richtige Entscheidung traf. Ich wollte einen Schäferhund der „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ macht. Aber Nicole nahm mich mit zu Buddy nach Volksdorf und dort wurde mir klar, dass es kein Schäferhund war, der mir fehlte, sondern ein Freund … Buddy … danke Nicole.

Der Kleine hat uns eine unendlich große Liebe gegeben und wäre er nicht bei uns gewesen, dann hätten wir die Probleme, die in einer Beziehung gelegentlich auftreten, nicht so schnell und souverän lösen können.

Buddy war bis zum Schluss Muttis Liebling. Ich und Buddy werden die gemeinsamen Ausflüge in meinem Transporter wo Buddy dann in der Mitte sitzt, vermissen. Buddy war immer bei uns, war ganz selten allein und wenn, dann zog er aus Langeweile sein Körbchen durch das Wohnzimmer. Er war auch dabei, als wir unsere wenigen Urlaube und Erholungsphasen im Hotel Fuchsbau an der Ostsee verbrachten. Dort standen für uns nur Wellness und das leckere Büfett, das uns immer begeistert hat, auf dem Programm.

 

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🖤 Wir folgen dem Lied und sind im Gedanken bei Nicole. 🖤

 

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Diesen Text, wie ein Bild gerahmt, hatte Nicole gekauft und auf der Treppe in unserem Haus aufgestellt. Jeder sollte wissen, dass es jetzt das Zuhause unserer kleinen Familie ist.

Ihr besonderer Wunsch, den wir nach ihrer überstandenen Krankheit kennenlernen wollten, war ihre Sehnsucht nach Großbritannien und Irland. Immer mal wieder während unserer zahlreichen tollen Unterhaltungen im Wohnzimmer, während der kleine Buddy vor dem brennenden Kamin lag, sprachen wir darüber, einmal nach England und Irland zu fahren, um das magische Feld von Stonehenge zu besuchen, abends ein Bier in einem kleinen Pub zu trinken und als Krönung den Iren beim Stepptanz zuzusehen.

Warum nur zusehen? Wir wollten tanzen, unser Leben genießen und auf ein höheres Level bringen. Mit einem Wohnmobil, das wir uns gelegentlich schon mal ausgeliehen hatten, wollten wir quer durch Europa und wieder zurück reisen.

Nicole liebte es, im Wohnmobil mit Blick auf einen See, den Regentropfen, die auf das Dach prasselten, zuzuhören. Da blühte ihr Herz auf. Dieser Wunsch war so nah in Erfüllung zu gehen.

Sie hätte auch dann endlich Zeit gehabt, ihre vielen Bücher von vorne zu lesen. Ihre Angewohnheit war es, neu gekaufte Fachbücher erst einmal durchzublättern und dann nur die letzten 3 Seiten zu studieren.

Von ihren Weiterbildungen in Bayern kam sie immer voller Energie zurück. Sie meinte jedes Mal, das müsse an dem Land liegen. „In Bayern könnte ich auch wohnen, Schatz“, sagte sie dann.

Schatz – so nannten wir uns gegenseitig. Sie Schatz, ich Schatz und Buddy war der Pupper. In meinem Handy ist Nicoles Telefonnummer allerdings seit unserem Kennenlernen unter „K“ wie „Kuschelmaus“ gespeichert.

Und ja, wir haben es gewagt.

Am 29.10.2021 haben wir in unserer Gemeinde Hohe Elbgeest in Dassendorf geheiratet. Wir wollten uns gemeinsam damit auch das Zeichen geben, dass wir es gemeinsam schaffen, wieder gesund zu werden, um dann in ein anderes, besonderes Leben zu zweit starten zu können.

Sie zog ihr wunderschönes blaues Kleid an, das sie zusammen mit ihrer Mutter für die Hochzeit von Janina und Matthias ausgesucht hatten.

Sie setzte ihre kleine türkise Mütze auf und los ging es.

Unser Trauspruch lautet „Die Liebe hört niemals auf.“, 1 Korinther Vers 13.

Nach der Trauung sind wir nur zu zweit mit Buddy an die Elbe gefahren. An jenen Platz, an dem die großen Schiffe einfahren, um ... auch ... in den Hafen zu fahren.

Es war ein sehr schöner, emotionaler Tag für uns. Und die Sonne schien vom Himmel. Zu essen gab es Nicoles Lieblingsbrötchen, Mozzarella mit Tomate und zu trinken ... Prosecco.

Die letzten Monate und Wochen vor ihrem Abschied haben wir es bei uns zu Hause so schön wie möglich gestaltet.

Jeden Morgen, gleich nach dem Aufstehen, gab es für uns eine halbe ausgepresste Zitrone in warmem Wasser. Dann ging es ins Wohnzimmer, wo Zähneputzen und Inhalieren mit Nasenspülung an der Reihe waren. Danach zum Frühstück. Ihr Highlight war ein Glas frisch ausgepresster Orangen. Das trank sie abends noch einmal. Zwischendurch gab es Wassermelone oder ihre geliebte Kakifrucht.

 

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Für Nicole war es immer sehr schwierig, damit klarzukommen, dass ich meine Familie für sie verlassen habe. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, wenn es darum ging, sich in meiner Familie wohlzufühlen. Sie war sehr feinfühlig und konnte jede Art von negativen Schwingungen sofort erkennen und deuten. Sie fühlte sich oft schuldig, wenn es meinen Kindern schlecht ging, aber sie versuchte immer, mit beiden ein offenes Gespräch zu führen und in unsere kleine Familie mit einzubinden.

Sie hat das immer super gemacht. Danke, Nicole.

Sie mochte Vanessa und immer war da auch etwas Freundschaftliches bei den beiden zu sehen. Sie war immer sehr stolz auf Vanessa und hätte sie gerne öfter in unserer kleinen Familie gesehen.

Für Nicole war Finn eine weitere tolle Lebenserfahrung.

Wann hat man schon mal die Möglichkeit, einen 13-jährigen Jungen über Jahre hinweg zum Erwachsenen zu führen und ihm dabei einige der eigenen Gedanken und Emotionen mit auf den Weg zu geben?

Vanessa und Finn vielen, vielen lieben Dank dafür, dass ihr sofort gekommen seid, nachdem Nicole von uns gegangen ist.

Danke.

Nicole, Ines und Kerstin: drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Und doch haben sie auf verschiedene Weise immer gut zueinandergefunden. Jede Frau hat ihre eigenen wertvollen Gedanken und Gefühle, die sie auf sehr unterschiedliche Art ausdrücken kann. War es Liebe, war es Respekt, war es das gegenseitige Suchen und Abwarten? Frauen haben alle so ihre Eigenschaften, um miteinander auszukommen. Und dafür können wir dankbar sein.

Ines, die beste Freundin von Nicole und Kerstin, meine liebe, große Schwester, waren für mich der telefonische Halt, bei dem ich viele tröstende Worte fand.

Nach dem Verabschieden und Loslassen von Nicole und auch später werdet ihr für mich immer eine Stütze in meinem Leben bleiben. Dafür danke ich Euch.

Nicole und ich haben ihre sehr schwere Krankheit von Anfang an als eine weitere Herausforderung in unserem Leben betrachtet. Für uns war klar, das schaffen wir. Im März 2021 bekamen wir die Diagnose Krebs. Ein „warum wir?“ brachte uns nicht weiter. Ein „wie schaffen wir das?“, war unser Focus.

Ich war ab diesem Zeitpunkt nur noch für meine Nici da.

18 x Bestrahlungen im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Jeweils eine 3/4 Stunde Hinfahrt, eine ½ Stunde vor Ort, und dann wieder nach Haus. Wir konnten uns so richtig ausquatschen. Die Fahrzeiten waren nicht das Problem und unser kleiner Buddy fand es super. Wir 3 als kleine Familie vorne in der ersten Reihe im Transporter.

Dann folgte die erste Untersuchung im CT, der Krebs war zum Stillstand gekommen. Aber wir mussten mit der Chemo weiter machen. Die Chemos bekam Nicole zunächst ambulant in einer Praxis in Geesthacht. Dann wechselten wir in die Onkologie ins Krankenhaus Reinbek. Hier war die Betreuung viel besser und wir schöpften wieder mehr Mut.

Zuerst machte von Nicole die eine Niere schlapp, dann die Andere. Die Spirale der Gesundheit drehte sich immer weiter nach unten. Und auch die vielen, vielen kurzen und längeren Krankenhausaufenthalte von bis zu 2 Wochen, waren für Nicole sehr anstrengend und kosteten ihr immer wieder viel Kraft.

In beiden Lungen sammelte sich Wasser und es kam zur Lungenentzündung. Zum Schluss hatte die Leber nicht mehr genug Reserven, um die Giftstoffe aus ihrem Körper herauszufiltern.

Für Nicole war es immer besonders wichtig, Tieren und Menschen zu helfen. Wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen: Gehen wir auf Menschen zu, wenn wir merken, dass sie Hilfe brauchen. Schützen wir unsere lieben Tiere und achten wir auf unsere Gesundheit.

Mein lieber Schatz, ich danke dir für die tolle, wertvolle Zeit, die wir miteinander verbringen durften. Du wirst immer bei mir sein und uns allen sehr, sehr fehlen. Aber du wirst stets einen großen Platz in unseren Herzen haben.

In unendlicher Dankbarkeit und Liebe Dein Schatz Andreas, Dein Seelenhund Buddy, Deine Dich liebende Mutter, Schwester und Familienangehörigen, Freundinnen und Freunde und alle hier heute Erschienenen.

Wir wollen Dich jetzt gehen lassen und verabschieden. Du warst eine großartige Frau, die uns so viel Liebe geschenkt hat. Lebe wohl... wir werden Dich vermissen ... hier ... jetzt ... und in aller Ewigkeit ... wir sehen uns wieder, Amen.

In Liebe und göttlicher Ordnung.

Dein Dich immer liebender Ehemann, in großer Dankbarkeit und tiefer Demut, Schatz ... Andreas.

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Nicola Eisenschink trat vor die Familie und erklärte den weiteren Ablauf mit der Fahrt zum Ewigforst.

Beim Hinaustragen der Urne spielte das Lied Hallelujah von Pentatonix.

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Nachdem das Lied zu Ende gespielt hatte, gingen wir alle zu unseren Autos.

Die Urne von Nicole wurde neben mir im weißen Transporter in einer schön mit Rosen, Efeu und Mooszweigen dekorierten Kiste abgelegt. Danach fuhren wir über den Kiebitzdeich an ihrem Elternhaus vorbei und gedachten Nicole mit einer Schweigeminute.

Anschließend fuhren wir über den Elbdeich zu ihrem Haus in den Kiefernweg, hielten auch hier kurz inne und holten Buddy ab, danach fuhren wir gemeinsam zum Ewigforst nach Kröppelshagen.

Hier wurde Nicole an unserem gemeinsamen Familienbaum unter einer schönen Buche beigesetzt. Jeder hatte hier nochmals die Gelegenheit, sich mit seinen eigenen Worten und Gedanken von Nicole zu verabschieden.

Es fing wieder an, leicht zu regnen. Der Himmel weinte.

Wir fuhren zurück nach Vierlanden, in das schöne Café Molina in der Riepenburger Mühle. Es erwartete uns eine gedeckte Tafel mit Nicoles Lieblingssuppe: der Kürbissuppe.

Hier endet die Trauerfeier, aber nicht die Reise mit Nicole. Sie bleibt immer in unseren Herzen.

 

 

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Als Wal-Retterin wollte Nicole in jungen Jahren starten. Und diesen Wunsch werden wir ihr jetzt erfüllen. Mit einer Spende an Greenpeace werden wir alle zusammen mit Nicole einen Beitrag zur Rettung der Wale und der Weltmeere im Projekt Meeresschutz leisten.

Greenpeace

IBAN: DE92 4306 0967 0000 0334 03, Verwendungszweck: Nicole Voß, Meeresschutz

 

Mit diesem Link kannst Du die Trauerrede gerne an Freunde von Nicole weiterleiten:

gedankenkörner.de/nicole